Freidenkervereinigung Schweiz Sektion WinterthurFreidenkervereinigung Schweiz Sektion Winterthur

Ethik » Kampagne: Nachdenken über gemeinsame Werte

erstellt am: 30.05.2016 von: Marc Wäckerlin

Unterstützung

Vermerk:
Werte-Kampagne
Kontoinhaber:
Freidenker-Vereinigung Winterthur
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8401 Winterthur
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Nachdenken über gemeinsame Werte

Wir haben genug von negativen Schlagzeilen über Terrorismus, Jihad-Reisende, Kreationisten, Nationalisten und andere Fundamentalisten. Uns allen gemeinsam sind aufgeklärte, liberale und humanistische Werte. Religion ist Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit. Was uns als Gesellschaft verbindet, ist unsere Liebe zur Freiheit, unsere Vernunft und unsere humanistischen Werte. Wir haben gelernt, wenn wir unseren Verstand einsetzen, können wir mit unserem Einsatz eine bessere Welt schaffen. Wir finden unser Glück und unsere Erfüllung in der Familie, mit Freunden, bei der Arbeit und in Hobbys. Ausgrenzung und Gewalt sind uns fremd. Wir sind überzeugt, dass viele Menschen in der Schweiz viel lieber diese für uns schon selbstverständlichen Werte auf Plakaten sehen würden, anstatt Bibelsprüche oder Jesus-Kritzeleien. Jetzt kannst Du dieses Projekt mit einem Beitrag unterstützen.

Das Projekt besteht aus mehreren Teilen:

  • Wir stellen Plakate auf.
  • Unterstützt wird die Kampagne mit einer Homepage.
  • Wir bieten Diskussionsrunden für Schulen und Jugendgruppen.

Das gesammelte Geld benötigen wir für die Plakate. Druck und Plakatierung kosten Geld, das wir nicht vollends selbst aufbringen können. Selbstverständlich werden wir Initianten uns auch beteiligen. In der ersten Runde hängen wir Plakate in Winterthur auf, weil von hier aus besonders viele Jugendliche in den Jihad nach Syrien gezogen sind. Wenn wir genug Unterstützung finden, können wir das Projekt später auch ausweiten.

Unter http://denk-nach.ch werden wir eine Homepage anbieten mit Hintergrundinformationen zu jedem Spruch. Wenn es zum Beispiel um Gewalt geht, helfen wir auch mit Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Personen. Ausserdem liefern weitere Fakten zur jeweiligen Aussage. Dazu gibt es Diskussionsmöglichkeiten. Das alles machen wir in Eigenleistung, dafür benötigen wir kein Geld.

Freiwillige werden auf Wunsch unsere Themen in Schulklassen und Jugendgruppen präsentieren und über ein oder zwei Themen diskutieren. Auch das machen wir in Eigenleistung, dafür benötigen wir kein Geld.

Hier sind weitere Beispiele, wie Plakate aussehen könnten:

Unterstütze uns, wenn Du auch der Meinung bist, dass wir weniger auf Konfrontation und mehr auf gemeinsame Werte setzen sollten! Unterstütze uns, wenn Du auch der Meinung bist, dass unsere Werte es verdienen, dass wir für sie einstehen! Unterstütze uns, wenn Du auch der Meinung bist, dass sich echte Toleranz von Intoleranz abgrenzen muss! Unterstütze Deine Werte!

Soweit sind die Informationen auch unter «we make it» verfügbar. An dieser Stelle haben wir noch Zusatzinformationen, die nicht auf der Crowdfunding-Plattform verfügbar sind:

Weitere Informationen

Hintergrund

Extremismus und Fundamentalismus kennt ein immer gleiches Schema, wie man die Menschen in einer Ideologie gefangen hält und sich gegen aussen abgrenzt. Egal, ob es um Islamismus geht, oder um ein fundamentalistisches Christentum, und selbst Nationalismus benützt zu einem grossen Teil dieselben Methoden. Dabei geht es zum Beispiel um:

  • Nicht hinterfragter Glaube
  • Buchstabenglaube
  • Dominanter patriarchalischer Vater
  • Strafender Gott
  • Sexuelle Enthaltsamkeit
  • Herabwertung anderer
  • Angstpädagogik
  • Ungleichheit
  • Ablehnung von Reformen im eigenen Glauben
  • Missionierung
  • Verschwörungstheorien
  • Exklusivitätsanspruch
  • Opferrolle
  • Feindbilder
  • Märchenhafte Welt
  • Gewalt

Genau gegen diese Methoden der Radikalisierung wendet sich unsere Kampagne. Offene Diskussionen helfen, Menschen das selbstständige Denken näher zu bringen. Nicht selten setzen ungewohnte Denkanstösse von ausserhalb einer abgeschotteten radikalisierten Gruppe bei einzelnen Mitgliedern einen Prozess in Gange, in dessen Lauf sich eine Person mehr und mehr vom radikalen Gedankengut entfernt. Solche Denkanstösse wollen wir mit unserer Kampagne liefern.

Vorgehensweise

Wir verteilen in ganz Winterthur Plakate mit weltoffenen, liberalen, humanistischen Sprüchen, vorzugsweise im Bereich von Oberstufenschulen, Freikirchen und Moscheen. Die Sprüche stellen sich explizit gegen die Mechanismen der Radikalisierung. Sie listen Fakten und humanistische Werte. Das heisst, es gibt zum Beispiel Texte gegen Patriarchismus, gegen das Verdrängen der Sexualität oder gegen die Ausgrenzung andersdenkender. Die Sprüche sind so gewählt, dass die meisten Menschen ihnen zustimmen und sie nur Radikale provozieren.

Die Kampagne ist neutral, sie spricht nicht über den Islam, nicht über die Sharia, nicht über das Christentum. Die Kampagne spricht nur über unsere Werte und über Fakten zu unserer modernen Gesellschaft. Der Fanatismus ist im Prinzip überall genau gleich aufgebaut, egal ob er salafistisch, evangelikal, katholisch, kommunistisch oder nationalistisch ist. Fundamentalismus lebt davon, Feindbilder aufzubauen, Fakten auszublenden, grausames schön zu reden und Fragen nicht zu stellen. Wenn wir Fakten nennen, grausames als grausam darstellen und Fragen stellen, greifen wir das Fundament des extremistischen Weltbildes an.

Viele Kinder aus dem islamischen (aber auch freikirchlichen) Umfeld werden in einer Art Parallelgesellschaft gehalten und lernen nicht, Fragen zu stellen. Sie werden von klein auf in die Moschee / Kirche / Tempel mitgenommen und von den dort verbreiteten Botschaften ideologisiert. Niemand stellt das in Frage, und unsere tolerante Gesellschaft glaubt, es sei tolerant, Religionen nicht zu hinterfragen. Das heisst, sie leben insgesamt in einem einseitigen und unkritischen Klima. Sie kennen das gar nicht, dass man religiöse Botschaften und Werte oder kulturelle Gewohnheiten hinterfragt.

Wenn wir zum Beispiel schreiben «Der Vater ist nicht das Oberhaupt der Familie», dann stellen wir ein zentrales kulturelles und religiöses Dogma in Frage. Vielleicht (das ist das Ziel) verhelfen wir einem Kind, einem Mädchen oder einer Ehefrau damit zum Mut, dagegen zu rebellieren, indem wir zeigen, dass eben nicht selbstverständlich ist, was sie als selbstverständlich kennengelernt hat. Es ist bereits etwas erreicht, wenn diese Rebellion ganz bescheiden rein in Gedanken stattfindet, denn Gedanken haben eine extreme Macht, sie reifen. Zweifel haben die Eigenschaft zu wachsen und irgendwann ändert sich doch etwas.

Das Projekt läuft in zwei Schritten ab:

  1. Die Vorbereitungszeit, in der wir das Projekt bewerben Geld für die Realisierung sammeln, die Homepage programmieren und alles vorbereiten.
  2. Die Laufzeit des eigentlichen Projekts mit den Plakaten. In dieser Zeit werden die Diskussionen geführt.

Wenn mindestens zehntausend Franken zusammen kommen, können wir damit zehn Motive auf hundert Plakaten für ein bis vier Wochen in Winterthur aufhängen. Wenn wir mehr Geld sammeln, können wir die Aktion länger betreiben oder an andere Orte exportieren. Da wir uns im ersten Schritt auf eine Stadt konzentrieren, können wir mit verhältnismässig wenig Geld eine hohe Dichte erreichen. Die Stadt Winterthur wählen wir aus, weil sie unrühmliche Schlagzeilen schrieb, als aussergewöhnlich viele Jihad-Reisende aus Winterthur nach Syrien zogen. Hinzu kommt in Winterthur die hohe Zahl an Freikirchen. Bei Erfolg werden wir das Konzept auch anderen Regionen zur Übernahme anbieten

Nebst den Plakaten und der Homepage planen wir auch ein zusätzliches Angebot an Schulen oder Jugendgruppen: Wir könnten eine Schulstunde leiten, in dem wir die Sprüche an die Wandtafel schreiben und nummerieren. Jedes Kind bekommt ein Blatt, wo es folgendes aufschreiben kann: «Ich bin mit diesen Aussagen nicht einverstanden: …; Oder ich möchte gern über diese Themen diskutieren: …» Dann verteilen wir zu den Sprüchen ein Minus, wenn jemand nicht einverstanden ist und ein Plus, wenn jemand das Thema diskutieren will. Schliesslich wählen wir gemeinsam mit den Kindern ein oder zwei Thema aus, die sie bewegen, und diskutieren sie mit ihnen gemeinsam.

Das Ziel

Die Menschen sollen über die unsere Gesellschaft verbindenden gemeinsamen Werte nachdenken. Die Texte, die wir veröffentlichen sind so gewählt, dass die meisten Menschen dahinter stehen und ihnen zustimmen können, aber auch, dass sie bewusst Mechanismen der Radikalisierung in Frage stellen. Ausser Fundamentalisten sollte sich niemand über die Plakate aufregen. Wer aber in einer abgeschlossenen Parallelwelt lebt, den hoffen wir damit aus seiner Komfortzone zu locken und zum Nachdenken anzuregen.

Laut Ahmad Mansour, der viele moslemische Familien betreut, ist für junge Frauen die Flucht in den Jihad nach Syrien oft eine Befreiung, die Flucht aus dem unterdrückenden patriarchalischen Elternhaus. Vielleicht gelingt es uns ja, der einen oder anderen zu zeigen, dass sie ihre Freiheit auch bei uns einfordern und auch bei uns ausleben kann, dass sie nicht nach Syrien muss, um Freiheit zu erfahren (zumal die Praxis ja dann sowieso eine andere ist; im IS halten sich die Männer mehrere Frauen und Sklaven — nun rate mal woher die wohl kommen).

Unsere Zielgruppe sind nicht die gefestigten Fundamentalisten, unsere Zielgruppe sind die Menschen, die auf dem Weg zum Fundamentalismus sind. Da gibt es noch die Möglichkeit, sie zu erreichen. Die meisten Menschen werden unseren Aussagen zustimmen, Fundamentalisten werden sie hassen, einige werden sie verwirren. Die letzteren sind das Zielpublikum. Es geht darum, extremistische Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen.

Welche Sprüche werden publiziert?

Was jetzt in der Finanzierungsphase auf der Homepage https://denk-nach.ch steht, das sind nur Beispiele, um unseren Unterstützern eine Vorstellung zu geben, um was es ungefähr geht. Ob wir am Ende diese Sprüche wählen, oder ganz andere, das ist noch nicht festgelegt. Die Initianten werden eine Jury bilden, welche alle vorgeschlagenen Sprüche diskutiert, beurteilt und die besten daraus auswählt. Kriterien sind zum Beispiel ob die Sprüche in das vorgegebene Konzept passen und ob sie sich auf Plakaten eignen.

Wie geht es weiter

Wenn genug Geld zusammen kommt, werden wir in einigen Monaten das Projekt durchführen. Kommt mehr Geld zusammen, machen wir mehr. Wenn aber sehr viel mehr Geld zusammen kommt, dann gründen wir mit dem übrigen Geld eine Stiftung für ein selbstbestimmtes Leben und eine selbstbestimmte Ethik. Diese Stiftung würde dann als unabhängige Instanz das Projekt übernehmen und weiter führen. Damit könnten wir einen langfristigen Prozess in Gang setzen.

Wenn das Projekt inhaltlich funktioniert, aber das Geld aufgebraucht ist, dann werden wir dennoch die Homepage erhalten und das Konzept anderen Regionen zur Übernahme und Weiterführung anbieten.

Wer steht dahinter

Wir sind die FreidenkerInnen Region Winterthur, eine politisch neutrale Gruppe von humanistisch orientierten Menschen, die gemeinsam über philosophische, ethische oder andere weltanschauliche Themen diskutieren.

Wir setzen uns für eine aufgeklärte, wissenschaftsorientierte Gesellschaft ein. Dogmen und unüberprüfbare Lehren lehnen wir ab. Wir sind der Ansicht, dass jeder Mensch seine Religion frei wählen kann. Wir akzeptieren andere Lebensanschauungen und erwarten, dass andere dasselbe tun. Inakzeptabel ist für uns diesbezüglich jegliche Intoleranz. Bekanntlich führt religionsgeprägtes Verhalten in der Öffentlichkeit immer wieder zu Konflikten. Wo dies der Fall ist, muss höheren Interessen der Vorzug gewährt werden. Menschen- und Freiheitsrechte dürfen nicht durch Religionsfreiheit relativiert werden.

Wir organisieren Themenabende, gemeinsame Wanderungen, öffentliche Veranstaltungen. Unsere RitualbegleiterInnen bieten Möglichkeiten, wichtige Stationen im Leben eines Menschen zu würdigen.

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