Freidenkervereinigung Schweiz Sektion WinterthurFreidenkervereinigung Schweiz Sektion Winterthur

Medienmitteilung » Jihad und Winterthurer Jugendliche

erstellt am: 08.04.2015 von: Marc Wäckerlin

Die Freidenker-Vereinigung Region Winterthur und Umgebung fordert die Stärkung der säkularen Gesellschaft in der Schule, um Extremismus bei Jugendlichen vorzubeugen.

Wir nehmen mit Bestürzung zur Kenntnis, dass offenbar Winterthurer Jugendliche für die Terrororganisation IS in den Jihad ziehen und sich dabei an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligen. Politik und Gesellschaft müssen nun reagieren, und zwar nicht indem man sich in religiösen Schützengräben verschanzt. Vielmehr stehen der religiösen Intoleranz unsere modernen Werte gegenüber, die aus Humanismus und Aufklärung hervor gegangen sind. Unsere Gesellschaft ist nicht mehr religiös geprägt, für die Mehrheit nimmt Religion keinen zentralen Stellenwert mehr ein. Über ein Fünftel ist nicht mehr Mitglied einer Religionsgemeinschaft. An die Stelle der religiösen Werte sind längst die Menschenrechte und die damit implizit verbundenen Pflichten getreten. Das Leben kann auch ohne Religion mit Sinn gefüllt werden. Kunst und Philosophie sind konkrete Beispiele dafür. Das friedliche Zusammenleben in unserer pluralistschen Gesellschaft ist ein gemeinschaftliches Projekt, für das es sich lohnt, sich einzusetzen, und wofür wir die Jugend dringend brauchen.

Und genau das ist das Bild, das wir unserer Jugend vermitteln müssen: Es ist völlig in Ordnung, keinen Glauben zu haben, oder auf der Suche zu sein!

Die Freidenker-Vereinigung Winterthur und Umgebung fordert daher die Abschaffung der Bevorzugung religiöser Denkweisen und die Förderung des kritischen Denkens auf allen gesellschaftlichen Ebenen, speziell aber in der Schule. Wir kritisieren insbesondere die einseitige Behandlung von Religion im Schulfach «Religion und Kultur».

Leider vermittelt das Lehrbuch des Schulfachs «Religion und Kultur» das Gegenteil: Der Atheismus in all seinen Formen erhält bei weitem nicht den Stellenwert, der ihm zustehen würde. Vielmehr wird er im Lehrmittel über weite Strecken verschwiegen, bis er im letzten Band erwähnt – und in die Nähe totalitärer Systeme gerückt wird. Dadurch vermittelt das Buch ein absurdes Zerrbild nichtgläubiger Menschen. Kinder aus nichtreligiösen Familien finden sich in diesem Lehrmittel nicht wieder und Kindern aus religiösem Elternhaus fehlt die Vermittlung einer Alternative.

Unsere moderne Gesellschaft basiert auf einer skeptischen und hinterfragenden Weltsicht, und genau das soll auch vermittelt werden. Ausserdem sind religiöse Inhalte kritisch zu hinterfragen. Die Entstehung religiöser Werke sind vor dem geschichtlichen Hintergrund zu betrachten, in dem sie entstanden sind. Es ist zum Beispiel zu erwähnen, zu welchem Zweck die Bücher Mose geschrieben wurden und wo sich die Autoren der Bibel bedienten (vgl. Karlheinz Deschner – Der gefälschte Glaube). Die ganze moderne Religions- und Bibelkritik gehört bei so einem Lehrbuch zwingend dazu.

In der Schweiz waren 2013 22,2 Prozent der Menschen konfessionslos und stellen damit die drittgrösste Weltanschauungsgemeinschaft, doch das ist nur die Spitze des religionsabstinenten Eisbergs. Nimmt man die Zahl der aktiven und regelmässigen Besucher von Kirchen, Tempeln, Moscheen, zeigt sich ein noch eindeutigeres Bild: Nur 10-15 Prozent der Menschen konsumieren regelmässig religiöse Angebote.

Daher fordern wir: Das Schulfach «Religion und Kultur» ist abzuschaffen, denn es gibt der Religion eine Bedeutung, die ihr nicht mehr zusteht. Alternativ fordern wir, dass das Schulmaterial religionskritisch überarbeitet wird. Es soll mindestens im Umfang der Zahl der Konfessionslosen ein säkulares Weltbild vertreten sein, insbesondere Atheismus, Agnostizismus und Laizismus. Ausserdem soll über weltliche Sinngebung reflektiert und es soll über auf Vernunft basierte Ethik gesprochen werden.

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ein erfahrungsbericht:
als meine tochter anfangs der 4. klasse die erste „religion & kultur“-lektion verabreicht bekam, begann die lehrperson mit der geschlossenen Frage: ihr habt alle bestimmt eine bibel zuhause! worauf meine tochter artig aufstreckte und sagte: nein, das hätte sie nicht! bemerkenswert find ich die eröffnung dieses fachs in mehrfacher hinsicht; die lehrperson ist in der 4.klasse neu und kennt die kinder noch nicht. sie darf sozusagen in der ersten woche eine religiöse erhebung der klasse durchführen im namen von „religion & kultur“. Dann gibt sie relativ klar zu erkennen, was ihre haltung ist: nämlich, dass es erwartbar und „normal“ ist, dass die kinder dieses buch zu hause haben (auch wenn ein teil der kinder muslimische namen tragen!!). und! sie gibt den ausgangspunkt des fachs vor, das ist die bibel: der anfang ist die bibel auch in „religion & kultur“.

[…] verlief unter dem Motto Tu, was du willst. Im Frühjahr gaben wir eine Medienmitteilung zum Thema Jihad und Winterthurer Jugendliche heraus. Im Herbst schliesslich hielten wir eine Strategiesitzung ab, deren Resultate wir in der […]